Auf Kommando weinen

Auf Kommando zu weinen fällt vielen Schauspielerinnen und Schauspielern schwer. Dieser Artikel gibt dir einige Ideen an die Hand, wie du genau in dem Moment Tränen produzierst, in dem der Regisseur es von dir verlangt.

Im Theater ist Weinen oft einfacher als im Film. Der Aufbau zur großen Szene gibt den Darstellern Zeit, sich vollständig in die Figur zu versenken – und wenn die Figur weint, folgen die Tränen meist ganz natürlich.

Theaterschauspieler setzen auf emotionale Techniken wie das „Im-Moment-Sein", das Aktivieren von Erinnerungen oder das gedankliche Vorwegnehmen künftiger Momente, um Tränen auszulösen.

Im Film ist das jedoch oft weitaus schwieriger. Vielleicht bist du gerade von einer entspannten Mittagspause zurückgekehrt oder hast eben noch eine komische Szene gedreht – und sollst plötzlich weinen. Wie geht das?

Unterschiedliche Schauspieler gehen unterschiedlich vor. Während manche kaum Tränen produzieren können, weinen andere fast auf Knopfdruck. Wichtig ist, verschiedene Ansätze auszuprobieren und durch Übung herauszufinden, was für dich funktioniert.

Praktische Tipps #

Hier sind einige Methoden, um auf Kommando zu weinen:

  1. Ausreichend trinken: Trinke vor der Szene genug Wasser, damit dein Körper überhaupt Tränen produzieren kann.

  2. Dein Weingesicht kennen: Beobachte, wie dein Gesicht aussieht, wenn du weinst. Körperliche Signale wie gesenkte Augenbrauen, geschlossene Augen, schmale Lippen, ein nach unten gezogener Mundwinkel und ein gesenkter Kopf können helfen, den Zustand körperlich herzustellen.

  3. Blinzeln – oder nicht: Paradoxerweise kann Blinzeln Tränen auslösen. Versuche, schnell zu blinzeln, reibe dann sanft über die geschlossenen Augen und öffne sie anschließend, ohne zu blinzeln. Die Augen beginnen leicht zu brennen – und Tränen folgen oft von selbst.

  4. Hilfsmittel: Manche Schauspieler tragen Mentholstifte oder Lippenbalsam unter das Auge (nicht ins Auge), um es leicht zu reizen und die Tränenproduktion anzuregen. Auch Augentropfen oder geschnittene Zwiebeln können helfen. Makeup, das sanft ins Auge geblasen wird, oder Vaseline unter dem Auge erzeugen einen „gerade geweint"-Look.

  5. Zunge nach unten: Wenn du deine Zunge auf den Mundboden legst und sie dann zurückziehst, kann das einen unterdrückten Gähn-Reflex auslösen – und der kann wiederum Tränen provozieren.

Nicht weinen ist mächtig #

So seltsam es klingen mag: Manchmal entsteht die stärkste Wirkung gerade dadurch, dass man nicht weint.

Wenn man in der Öffentlichkeit eine erschütternde Nachricht erhält, versuchen die meisten Menschen, ihre Tränen zu verbergen, bis sie allein sind. Im Film kann diese Zurückhaltung, dieses Bemühen, die Emotionen zu verbergen, eine stärkere Wirkung auf das Publikum haben als offenes Weinen. Die Zuschauer wollen, dass die Figur weint, schreit, ihre Gefühle zeigt. Indem die Figur das verbirgt, kann der Schauspieler ein umso tieferes Schmerzgefühl vermitteln. Diese Szene aus Vier Hochzeiten und ein Todesfall zeigt eindrucksvoll, wie wirkungsvoll das Nicht-Weinen sein kann.

Denk daran: Regelmäßiges Üben ist entscheidend. Du kannst nicht erwarten, auf Kommando zu weinen, wenn du es nicht viele Male zuvor geprobt hast. Also übe, und finde heraus, welche Techniken am besten für dich funktionieren.

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