Kurzfilm und Indie-Film finanzieren: Jenseits von Crowdfunding

Du hast ein starkes Drehbuch geschrieben. Du hast eine talentierte Crew, die loslegen kann. Aber du brauchst Geld, damit dein Film Wirklichkeit wird.
Crowdfunding: Die naheliegende erste Wahl #
Ja, Crowdfunding ist der beliebteste Weg, um Geld für Filme einzusammeln. Plattformen wie Kickstarter, GoFundMe und Indiegogo helfen jedes Jahr Tausenden von Filmemacherinnen und Filmemachern.
Aber darum geht es in diesem Artikel nicht. Wenn du mehr über Crowdfunding für deinen Film erfahren möchtest, lies unseren vollständigen Leitfaden hier: Das ABC des Crowdfundings für dein Filmprojekt: Ein Einsteigerguide.
Dieser Artikel widmet sich den anderen Wegen, einen Film zu finanzieren. Hier sind sieben praktische Methoden jenseits von Crowdfunding.
Filmförderung: Wo du kostenloses Geld findest #
Filmförderung bedeutet: Geld, das Filmemacherinnen und Filmemacher erhalten, ohne es zurückzahlen zu müssen. Fördereinrichtungen auf der ganzen Welt vergeben solche Mittel.
Der Trick liegt darin, zu wissen, wo man suchen muss. Die meisten Länder haben eine nationale Filmförderanstalt oder Filmbehörde, die Fördermittel vergibt.
Denk aber daran: Förderanträge brauchen oft sehr lange, bis sie bewilligt werden – und selbst wenn du dich bewirbst, ist nichts garantiert.
Wenn du es trotzdem versuchen möchtest, liefert eine einfache Onlinesuche nach deiner regionalen oder nationalen Filmfördereinrichtung erste Ergebnisse.
Sachleistungen: Kosten senken ohne Bargeld #
Sachleistungen bedeuten: Dinge kostenlos bekommen statt Geld. Das senkt dein Budget genauso effektiv wie eine Geldspritze.
Kostenlose Drehorte sparen tausende Euro. Ein Café, ein Fitnessstudio, ein Friseursalon oder ein Büro kann dein Set sein. Frag die Inhaberin oder den Inhaber, ob du dort drehen darfst. Zeig ihnen dein Drehbuch. Erkläre, wie ihr Betrieb im Film vorkommt. Viele sagen kostenlos zu.
Falls nicht, biete an, während der Dreharbeiten einen Werbespot für sie zu drehen oder ein paar tolle Fotos von ihrem Geschäft zu machen.
Geliehenes Equipment kostet nichts. Filmhochschulen verleihen Kameras und Lichttechnik. Frag befreundete Filmemacherinnen und Filmemacher, ob du ihr Equipment leihen kannst. Panavision stellt neuen Filmschaffenden in den USA und Kanada über das New Filmmaker Program kostenlos Kameraequipment zur Verfügung. Geh in lokale Foren und bitte um Hilfe – wer selbst in einer ähnlichen Lage ist, hilft oft gern.
Requisiten und Kostüme bekommst du in Secondhandläden, aus dem eigenen Zuhause oder von Freunden. Die Regel lautet: Kaufe nie, was du leihen kannst.
Transport lässt sich ebenfalls organisieren. Frag jemanden mit einem Transporter, ob er beim Equipmenttransport helfen kann. Biete einen Credit im Film oder eine Rolle als Komparse an. Menschen lieben es, Teil der Filmwelt zu sein – nutze das für dich.
Deferred Payments: Später bezahlen #
Deferred Payment bedeutet: Cast und Crew arbeiten jetzt und werden später bezahlt, wenn der Film Einnahmen erzielt. Viele neue Filmemacherinnen und Filmemacher nutzen diese Methode.
Die Beteiligten erklären sich bereit, zunächst weniger oder gar nichts zu bekommen. Wenn der Film Geld einspielt, erhalten sie später mehr. So brauchst du weniger Kapital im Voraus.
Sei dabei gegenüber allen ehrlich. Erkläre, dass die Zahlung auf sich warten lässt. Manche Menschen können sich kein Deferred Payment leisten – sie brauchen das Geld jetzt für Miete und Lebenshaltungskosten. Respektiere das.
Setze Deferred Payments nur ein, wenn du wirklich vorhast, die Leute später zu bezahlen. Du trägst Verantwortung dafür, sie zu entlohnen, sobald Einnahmen fließen. Falls du dir das sicher bist: Denk daran, dass Kurzfilme selten bis nie auch nur einen Cent einspielen.
Und: Halte das alles vertraglich fest!
Beim Thema Deferred Payment und unbezahlte Arbeit gilt folgende Regel: Entweder alle werden bezahlt oder niemand wird bezahlt. Manche zu vergüten und andere nicht ist unfair – und du wirst für diese Entscheidung keinen Respekt ernten.
Product Placement #
Welche lokale Marke könnte einen Schub gebrauchen? Oder vielleicht sogar eine nationale?
Versprich, dass alle die Produkte einer lokalen Pizzeria essen und genießen werden – und im Gegenzug müssen sie nur einen Beitrag zu den Filmkosten leisten.
Kooperationen mit lokalen Unternehmen: Wert gegen Wert #
Lokale Unternehmen können deinen Film finanzieren, wenn dein Film auch ihnen nützt. Das ist etwas anderes als Product Placement.
Denke an Betriebe, die in deiner Geschichte vorkommen. Wenn du in einer Bäckerei drehst, bekommt diese Bäckerei Sichtbarkeit. Geh mit einem klaren Pitch auf die Inhaberin oder den Inhaber zu. Erkläre deinen Film. Zeige, wie ihre Bäckerei auf der Leinwand erscheint. Bitte um einen kleinen Geldbeitrag und die kostenlose Nutzung des Drehortes.
Ein Friseursalon kann dir den Drehort bieten, Haar und Make-up für die Schauspielerinnen und Schauspieler übernehmen und dir Geld geben. Eine Autovermietung kann Fahrzeuge bereitstellen und dein Projekt mitfinanzieren. Ein Restaurant kann deine Crew verpflegen und andere Kosten übernehmen.
Das funktioniert, weil beide Seiten gewinnen. Das Unternehmen bekommt Marketing. Du bekommst Finanzierung und Ressourcen.
Fang lokal an. Betriebe in deiner Nachbarschaft lassen sich leichter ansprechen als große Konzerne.
Ressourcen von Filmhochschulen: Nutze, was Hochschulen bieten #
Filmhochschulen wollen, dass ihre Studierenden Filme machen. Sie verfügen über Equipment, Drehorte, Versicherungen und manchmal auch über Geld.
Viele Filmhochschulen vergeben kleine Fördermittel für studentische Projekte. Frag die Hochschulverwaltung nach Fördermöglichkeiten. Selbst 500 bis 2.000 Euro helfen bei einem Kurzfilm enorm.
Hochschulen verleihen professionelles Equipment kostenlos. Kameras, Lichttechnik, Tonequipment und Schnittsoftware kosten Studierende nichts.
Filmstudentinnen und -studenten brauchen Projekte für ihr Portfolio. Sie arbeiten als Crewmitglieder kostenlos oder günstig, um Erfahrung zu sammeln. Du bekommst kompetente Unterstützung. Sie bekommen Praxis.
Manche Hochschulen haben Versicherungen, die studentische Filmproduktionen abdecken. Das spart dir Geld bei der Produktionsversicherung.
Das National Film Board of Canada bietet etwa Filmmaker Support Programs mit Equipmentverleih und Postproduktionsdienstleistungen an. Andere Länder haben ähnliche Programme.
Equipment-Förderung: Technik kostenlos bekommen #
Manche Unternehmen stellen Filmemacherinnen und Filmemachern Equipment kostenlos zur Verfügung. Es handelt sich dabei nicht um ein Darlehen – sie geben dir professionelle Technik für deinen Film.
Das Panavision New Filmmaker Program stellt aufstrebenden Filmschaffenden in den USA und Kanada seit über 25 Jahren Kameraequipment zu minimalen oder gar keinen Kosten bereit.
ARRI Rental kooperiert mit bestimmten Förderprogrammen und stellt kostenloses Kameraequipment für Filmproduktionen zur Verfügung.
Suche nach „Equipment-Förderung Filmschaffende [dein Land]", um Programme in deiner Region zu finden.
Diese Programme wollen, dass du erfolgreich bist. Wenn du gute Filme mit ihrer Technik machst, mietest du vielleicht später bei ihnen, wenn deine Budgets größer werden.
Arbeiten und sparen: Selbst finanzieren #
Viele Filmemacherinnen und Filmemacher gehen einem normalen Job nach, um Geld für ihre Filme zu sparen. Das ist nicht glamourös, aber es funktioniert.
Robert Rodriguez nahm an medizinischen Studien teil, um 7.000 Dollar für El Mariachi aufzutreiben. Dieser Film legte den Grundstein für seine Karriere.
Arbeite in der Filmbranche in anderen Jobs. Als Kameraassistenz, Produktionsassistenz, Cutterin oder Cutter – jeder bezahlte Job hilft. Du lernst dazu und sparst für dein eigenes Projekt.
Arbeite auch außerhalb der Branche. Jeder Job, der Geld einbringt, hilft. Spar über Monate oder Jahre – und dann dreh deinen Film.
Fang mit einem sehr kleinen Budget an. Ein Kurzfilm für 500 Euro ist besser als gar kein Film. Mach etwas Kleines. Nutze das, um Geld für etwas Größeres einzusammeln.
(Und vergiss die Kreditkarte nicht. Dein Film wird nicht der erste sein, der auf dem Rücken mehrerer Kreditkarten entsteht.)
Mehrere Quellen kombinieren #
Die meisten Kurzfilme und Indie-Filme werden über mehrere Finanzierungsquellen gleichzeitig realisiert. Du könntest 5.000 Euro Fördergelder bekommen, Equipment im Wert von 3.000 Euro leihen, kostenlose Drehorte im Wert von 2.000 Euro erhalten und die Crew per Deferred Payment im Wert von 5.000 Euro einsetzen.
Das ergibt ein Filmbudget von 15.000 Euro – ohne dass du 15.000 Euro in bar brauchst.
Denke bei jedem Budgetposten kreativ. Was kannst du kostenlos bekommen? Was kannst du leihen? Was kannst du tauschen?
Mach eine Liste mit allem, was dein Film braucht. Schreib neben jeden Posten, wie du ihn vielleicht ohne Geld bekommen könntest.
Das Drehbuch kürzen #
Überarbeite dein Drehbuch mit dem Rotstift der Kalkulation. Das bedeutet: Streiche die Szene, in der die Heldin ein Taxi nach Hause nimmt, und lass sie stattdessen trampen. Du musst kein Taxi bezahlen, sondern kannst das Auto einer Freundin oder eines Freundes nutzen.
Aber behalte das Wesentliche #
Ja, Cast und Crew arbeiten auch ohne oder mit Deferred Payment. Eines werden sie aber nicht hinnehmen: kein Essen.
Was auch immer du tust – halte alle am Set bei Laune. Das bedeutet: Catering. Erinnerst du dich an die Pizzeria von oben? Vielleicht kann die dabei helfen.
Es stimmt: Deine Cast und Crew zu verpflegen ist wahrscheinlich das Wichtigste, was du tun kannst, damit dein Film tatsächlich fertig wird.
Jetzt handeln #
Hör auf, auf die eine große Finanzierungsquelle zu warten. Fang mit dem an, was du heute bekommen kannst.
Such diese Woche nach Filmförderung in deinem Land. Kontaktiere nächste Woche drei lokale Unternehmen wegen Kooperationen. Frag deine Filmhochschule morgen nach Equipmentverleih.
Bewirb dich bei mehreren Stellen gleichzeitig. Absagen sind normal. Bleib dran.
Jede erfolgreiche Filmemacherin und jeder erfolgreiche Filmemacher hat klein angefangen. Sie haben Kreativität statt großer Budgets eingesetzt. Das kannst du auch.
Dein erster Film lehrt dich, wie man Geld auftreibt. Beim zweiten ist es leichter, weil du Erfahrung und Kontakte hast. Mach weiter Filme – die Finanzierung wird mit der Zeit einfacher.
...oder du überweist einfach eine Bank.
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