Solltest du eine Rolle in einem Low-Budget-Klamauk-Film annehmen?
Als Schauspieler:in stößt man immer wieder auf Möglichkeiten für Rollen in Filmen, die albern oder sogar schlichtweg bescheuert wirken. Oft handelt es sich dabei um Low-Budget-Produktionen, die nicht das gleiche Ansehen genießen wie Filme mit größerem Budget. Trotzdem stellt sich die Frage: Sollte man eine solche Rolle in einem billigen Film annehmen?
Ja, mach es. #
Einerseits gibt es einige Argumente dafür, eine solche Rolle anzunehmen. Zunächst einmal ist jede Schauspielerfahrung wertvoll – selbst die Arbeit an einem Low-Budget-Film kann dir helfen, Erfahrungen in der Branche zu sammeln. Außerdem kann eine alberne Rolle eine Chance sein, eine andere Seite deiner Bandbreite zu zeigen, und vielleicht sogar dein komödiantisches Talent unter Beweis zu stellen.
Darüber hinaus können auch Low-Budget-Filme zu Kultklassikern oder überraschenden Hits werden. Das Komödien-Horror-Hybrid Shaun of the Dead (2004) von Edgar Wright wurde beispielsweise mit einem Budget von nur 6 Millionen Dollar gedreht und ist heute ein geliebter Kultklassiker mit 92 % auf Rotten Tomatoes. Hätten Schauspieler wie Simon Pegg und Nick Frost die Gelegenheit wegen der albernen Prämisse abgelehnt, hätten sie etwas Besonderes verpasst.
Ein weiterer Grund: Man weiß nie, wer sonst noch an dem Film beteiligt ist und was diese Leute in Zukunft noch erreichen werden.
- Bevor Peter Jackson die Herr der Ringe-Trilogie drehte und mehrere Oscars gewann, war er bekannt für Low-Budget-Horrorkomödien wie Bad Taste und Braindead, vollgepackt mit einfallsreichen Splattereffekten.
- James Cameron, Regisseur von Titanic und Avatar, begann mit Low-Budget-Genrefilmen wie Piranha II: The Spawning.
- Peter Bogdanovich startete mit Low-Budget-Komödien wie Targets.
Und Todd Phillips drehte zunächst Low-Budget-Komödien, bevor er mit der Hangover-Trilogie durchstartete – die zwar durchaus albern ist, die Karrieren vieler Beteiligter jedoch enorm beflügelt hat.
Anders gesagt: Du weißt nie, ob der Regisseur, mit dem du heute eine Slapstick-Komödie über eine Bande unfähiger Räuber in einer Klebstofffabrik drehst, dich ein paar Jahre später in seinem millionenschweren Blockbuster besetzen wird!
Nein, lass es bleiben. #
Andererseits gibt es auch Argumente dagegen, alberne Rollen in billigen Filmen anzunehmen. Solche Rollen werden von Branchenprofis möglicherweise nicht ernst genommen, und Casting Directors sehen sie vielleicht nicht als wertvolle Erfahrung.
Außerdem könnte man das Gefühl haben, dass eine alberne Rolle dem eigenen Ruf schadet oder es schwieriger macht, künftig ernsthafte Rollen zu bekommen. Die Hauptdarsteller:innen der Carry On-Filmreihe etwa wurden so stark auf Slapstick-Komödien festgelegt, dass sie kaum noch in seriösen Mainstreamproduktionen Fuß fassen konnten.
Also... #
Es gibt hier keine eindeutig richtige oder falsche Antwort – es hängt letztlich von den eigenen Zielen und Prioritäten ab.
Manche sehen solche Rollen als Chance, Erfahrung zu sammeln und ihre Vielseitigkeit zu beweisen. Anderen erscheint das potenzielle Risiko für ihren Ruf zu groß.
Am Ende muss jede:r selbst entscheiden, ob eine alberne Rolle in einem billigen Film es wert ist.
Unser Rat: Bewirb dich ruhig für den Film, lies das Skript dann aber besonders sorgfältig, wenn du gecastet wirst – und wenn dich nichts zum Zucken bringt, warum eigentlich nicht?
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