Gelten britische Serien auf Streaming-Plattformen noch als „europäisch"?

Kurz gesagt: Britische Serien zählen auf Streaming-Plattformen wie Netflix und Disney+ in ganz Europa weiterhin als „europäische Inhalte". Frankreich und mehrere andere EU-Länder drängen seit dem Brexit jedoch auf eine Änderung – mit spürbarer Unsicherheit für britische Schauspieler, Crew-Mitglieder und Produktionsfirmen.
Die 30-Prozent-Regel #
Streaming-Plattformen, die in Europa tätig sind, müssen mindestens 30 Prozent europäische Inhalte in ihrem Katalog führen. Diese Regelung betrifft große Dienste wie Netflix, Amazon Prime Video und Disney+.
Die Quote schließt derzeit Inhalte aus allen 27 EU-Mitgliedstaaten sowie aus Nicht-EU-Ländern wie dem Vereinigten Königreich, der Türkei und der Schweiz ein. Britische Produktionen machen auf den großen europäischen Streaming-Plattformen rund neun Prozent des Gesamtangebots aus – fast ein Drittel der gesamten Europaquote.
Was das für britische Produktionen bedeutet #
Britische Inhalte stellen fast die Hälfte aller europäischen Serien dar, die auf Video-on-Demand-Diensten in Europa verfügbar sind. Serien wie The Crown, Sex Education und Baby Reindeer helfen Streaming-Plattformen, ihre gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen.
Würden britische Inhalte aus der europäischen Kategorie ausgeschlossen, würde Netflix in jedem europäischen Markt, in dem es tätig ist, unter die 30-Prozent-Quote fallen. Für andere Plattformen wie Disney+ und HBO Max wäre die Situation noch kritischer.
Frankreich treibt den Wandel voran #
Frankreich setzt sich dafür ein, dass Großbritannien seinen „Europastatus" im Bereich Streaming verliert. Berichten zufolge wird dieses Vorhaben von Griechenland, Österreich, Italien und Spanien unterstützt.
Die französische Regierung argumentiert, dass die Einbeziehung britischer Inhalte nach dem Brexit die kulturelle Vielfalt innerhalb der EU untergräbt. Die Quote solle ausschließlich Produktionen aus echten EU-Mitgliedstaaten zugutekommen.
Deutschland stellt sich dagegen #
Deutschland hat Frankreich widersprochen und warnt davor, der britischen Filmwirtschaft die Tür zu verschließen. Deutsche Vertreter betonen den Wert der fortgesetzten Zusammenarbeit mit britischen Produzenten und Talenten.
Diese Meinungsverschiedenheit offenbart eine Spaltung innerhalb der EU im Umgang mit der Kulturpolitik nach dem Brexit.
Die rechtliche Grundlage, die britische Inhalte schützt #
Britische Produktionen gelten weiterhin als „europäische Werke", weil das Vereinigte Königreich einem Abkommen namens Europäisches Übereinkommen über das grenzüberschreitende Fernsehen (EÜGF) angehört – und zwar auch nach dem Brexit.
Die AVMD-Richtlinie (Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste) definiert europäische Werke so, dass sie sowohl EU-Mitgliedstaaten als auch Länder umfasst, die das EÜGF unterzeichnet haben. Zwanzig EU-Länder sowie das Vereinigte Königreich sind Mitglieder des EÜGF.
Was das für britische Schauspieler und Crew bedeutet #
Britische Schauspieler haben erfolgreiche Karrieren mit europäischen Koproduktionen und internationalen Projekten aufgebaut. Diese Zusammenarbeit bietet Sichtbarkeit, Erfahrung und finanzielle Möglichkeiten.
Ändern sich die Regeln, könnten britische Schauspieler und Crew-Mitglieder weniger Chancen haben, an EU-geförderten Projekten mitzuwirken. Auch Produktionsfirmen könnten den Zugang zu europäischen Finanzierungsmöglichkeiten für ihre Produktionen verlieren.
Viele britische Produktionen entstehen als Koproduktionen mit amerikanischen Unternehmen, was die Lage zusätzlich verkompliziert. Solche Projekte könnten unter strengeren Regeln, die sich ausschließlich auf EU-Mitgliedstaaten konzentrieren, nicht mehr als qualifizierend gelten.
Stand der Dinge 2025 #
Stand Oktober 2025 werden britische Inhalte weiterhin auf die Europaquote angerechnet. Eine endgültige Entscheidung zum Ausschluss britischer Produktionen ist bisher nicht gefallen.
Die Debatte geht jedoch weiter. Die Europäische Kommission hat in Grundsatzpapieren signalisiert, dass eine Neueinstufung britischer Werke bei der nächsten Überprüfung der audiovisuellen Vorschriften weiterhin geprüft wird.
Was als Nächstes passieren könnte #
Wenn Streaming-Plattformen britische Serien nicht mehr als europäische Inhalte anrechnen dürfen, bleiben ihnen drei Optionen. Sie könnten stärker in Produktionen aus EU-Mitgliedstaaten investieren, um die Quote zu erfüllen. Sie könnten nicht-europäische oder britische Titel aus ihren Katalogen entfernen, um den Anteil anrechenbarer Inhalte zu erhöhen. Oder sie könnten ihre europäischen Kataloge insgesamt deutlich verkleinern.
Netflix etwa müsste seinen Gesamtkatalog in Irland um fast ein Drittel reduzieren, um die Quote ohne britische Inhalte zu erfüllen. Das würde für europäische Nutzer deutlich weniger Auswahl bedeuten.
Das große Bild #
Diese Debatte spiegelt die tiefergehenden Spannungen rund um die kulturellen und wirtschaftlichen Folgen des Brexits wider. Die EU möchte ihre eigene Kreativwirtschaft fördern und gleichzeitig ein hochwertiges Unterhaltungsangebot für die Zuschauer sicherstellen.
Britische Schauspieler, Regisseure, Autoren und Crew-Mitglieder haben seit Jahrzehnten maßgeblich zur europäischen Unterhaltungsindustrie beigetragen. Jede politische Änderung würde diese langjährigen kreativen Partnerschaften neu gestalten.
Das Ergebnis wird darüber entscheiden, ob britische Filmschaffende weiterhin denselben Zugang zu europäischen Publikumskreisen und Fördermöglichkeiten haben wie vor dem Brexit. Vorerst bleibt alles beim Alten – doch die Zukunft ist ungewiss.
Fazit: Britische Serien behalten auf Streaming-Plattformen vorerst ihren europäischen Status, doch der anhaltende politische Druck aus Frankreich und anderen EU-Ländern könnte das ändern. Britische Filmschaffende sollten diese Entwicklung genau im Blick behalten, denn Regeländerungen würden ihre Karrieren und Möglichkeiten in Europa erheblich beeinflussen.
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